Sechs Generationen am Walplein
Henri Maes begann 1856 am Walplein 26 zu brauen. Der Ort war schon Jahrhunderte vor ihm eine Brauerei, weshalb die Keller und die ältesten Mauern älter wirken als die Firma. Sechs Generationen später wird das Bier noch mitten in einer Stadt gebraut, die jährlich mehr Besucher empfängt als sie Einwohner hat, und die Brauerei ist nicht auf ein Gewerbegebiet gezogen.
Die Biere, die das Haus tragen, sind jünger als das Gebäude. Brugse Zot kam 2005 auf den Markt, ein blondes Bier für eine Stadt, die ihr Alltagsbier verloren hatte; der Name bedeutet Brügger Narr, und das Etikett trägt einen Narren. Straffe Hendrik stammt von 1981, als Véronique Maes und ihr Vater Henri IV ein starkes Tripel zur Einweihung der Statue des heiligen Arnold brauten. Später wurde es anderswo gebraut und kam an den Walplein zurück.
Véronique war eine der ersten Brauerinnen Belgiens, was die Familie ohne Aufhebens erwähnt. Die Reihe reicht heute vom Weizenbier bis zum Quadrupel, gebraut auf Anlagen, die Stück für Stück ersetzt wurden, nicht auf einmal. Nichts hier ist Kulisse: Das Kupfer arbeitet, und der Geruch im Sudhaus ist nicht gestellt. Die Anlage ist gewachsen, der Betrieb nicht. Wer will, sieht dem Brauer zu.
Das Rohr unter der Straße
In den 2010er-Jahren schickte die Brauerei Tankwagen durch das Zentrum zu einem Abfüllwerk in Sint-Andries, drei Kilometer entfernt. Die Straßen sind gepflastert, eng und voller Menschen, und die Lastwagen waren nicht beliebt. Die Lösung war eine Leitung: 3.276 Meter, rund vier Millionen Euro teuer, teilweise über Crowdfunding finanziert, bei dem die Beitragenden mit Bier zurückbezahlt wurden. Die Rohre liegen unter öffentlichem Grund.
Sie ging im September 2016 in Betrieb, verläuft bis zu 34 Meter unter der Oberfläche und befördert Bier, kein Wasser. Das Bier läuft zur Abfülllinie, wird dort gefüllt, etikettiert und versandt; die Leitung nimmt die Tankwagen von der Straße. Im Pflaster liegt eine Glasplatte, durch die man hinunterschauen kann — näher kommt der Besuch einem Spektakel nicht. Man muss wissen, dass sie da ist.
Die Leitung ist auch der Grund, warum die Brauerei überhaupt noch im Zentrum brauen kann. Ohne sie hätte Expansion den Umzug in ein Gewerbegebiet bedeutet, und Brügge hätte eine Brauerei verloren, die seit 1856 dort war. Das ist das Argument der Führung, und es trägt: Die Alternative war keine schönere Brauerei, sondern gar keine an diesem Ort. Die Rechnung geht auf. Und das ist keine Werbung.
Der Besuch und die Stube
Die klassische Führung dauert etwa fünfundvierzig Minuten, umfasst 220 Stufen und endet mit einem Glas in der Brasserie. Sie führt durch das Sudhaus, die alten Keller und auf das Dach, von dem aus man einen 360-Grad-Blick über die Stadt hat. Die XL-Führung ergänzt eine geführte Verkostung von drei Bieren in den Kellern und läuft am Wochenende. Die Zeit vorher buchen.
Das eine Bier, das es nirgends sonst gibt, ist das ungefilterte Brugse Zot, vom Tank statt aus der Flasche. Es ist weicher, brotiger und allein das Ticket wert. Die Brasserie serviert flämische Gerichte, und die Terrasse am Walplein ist angenehm, wenn der Platz ruhig ist — früh morgens oder spät abends. Es schmeckt nach dem Sudhaus. Und nach Brot. So einfach ist das.
Im Sommer vorher buchen; dies ist eine der meistbesuchten Brauereiführungen Belgiens, und über den Tag kommen Busse. Die Brauerei liegt zehn Gehminuten vom Markt und fünf von der Liebfrauenkirche. Wer eine Stunde in Brügge hat und sich für Bier interessiert, verbringt sie hier — und geht danach zum De Garre. Der Rest ist Fußweg. Und das Bier danach. Mehr braucht es nicht.