Den Hügel hinauf und hinunter

Die Altstadt liegt in einem Ring aus Mauern und Türmen, den die Pegnitz teilt. Anfangen am Hauptmarkt, wo der Schöne Brunnen unter seinem Eisengitter steht und die Frauenkirche gegenüberliegt. Dann hinauf: durch das Tiergärtnertor, am Dürerhaus vorbei, in dem er ab 1509 wohnte und arbeitete, bis zur Kaiserburg auf dem Sandsteinrücken. Der Weg hinauf ist stellenweise steil, und die Belohnung ist der Blick zurück über die Dächer, nicht die Burg selbst.

Die Burg ist der höchste Punkt und der Grund für den Weg. Vom Hof laufen die roten Ziegeldächer davon, und das Tiergärtnertor darunter wirkt wie ein Tor im Modell. Beim Abstieg begleitet die Weißgerbergasse das Wasser, mit hölzernen Galerien über dem Fluss, und die Gassen dazwischen sind steil und gepflastert. Die Weißgerbergasse ist die am besten erhaltene Ecke der Altstadt und kurz genug, um sie zweimal zu gehen, ohne es zu merken.

Vom Bahnhof fährt die U1 eine Station bis Lorenzkirche, von dort sind es fünf Gehminuten über den Fluss zum Hauptmarkt. Die ganze Altstadt passt in einen Kreis von zwei Kilometern, man kann also im einen Viertel trinken und im anderen schlafen, ohne Taxi. Das ist die wichtigste praktische Tatsache über Nürnberg. Straßenbahnen und Busse schließen die Lücken, innerhalb der Mauern braucht man sie aber nicht.

Bierstadt vor München

1303 verfügte der Rat, dass nur Gerste ins Bier darf, zweihundert Jahre vor dem bayerischen Reinheitsgebot, und 1380 musste jeder Brauer einen eigenen Keller in festgelegter Tiefe und Breite graben. Daraus wurde ein Labyrinth von bis zu vier Geschossen auf 25.000 Quadratmetern, bei konstant acht bis zwölf Grad. Der Rat kontrollierte die Arbeiten, und ein Brauer, dessen Pfeiler nicht übereinander standen, wurde dafür bestraft.

Im späten Mittelalter gab es bis zu 42 Brauereien, und Nürnberg blieb bis weit ins 19. Jahrhundert Bayerns führende Bierstadt, vor München. Die erste deutsche Eisenbahn, 1835 von Nürnberg nach Fürth, hatte Fässer davon als Fracht. Dann ging das rote Bier unter: hellere Lager und Weizenbier waren einfacher zu brauen und zu verkaufen, der Stil verschwand. Im Krieg wurden die Keller zu Luftschutzbunkern ausgebaut und boten Zehntausenden Platz.

Altstadthof hat es 1984 zurückgeholt, in dem Haus in der Bergstraße, das einst das Rote Brauhaus war. Die Keller nebenan sind zugänglich, die Führung endet mit einem Glas in der Brauerei. Das ist die richtige Reihenfolge: erst unter die Erde, dann das Bier, und danach noch einmal den Hügel hinauf, wenn der Abend jung ist. Die Brauerei hat dieselbe Adresse, und die Keller daneben sind die, die der Rat 1380 verlangte.

Bratwürste, Märkte und die Form eines Tages

Die Nürnberger Bratwurst ist klein, etwa zwanzig Gramm, und seit 2003 EU-weit geschützt: Nur innerhalb der Stadt nach altem Rezept hergestellte Würste dürfen den Namen tragen. Sie kommen gegrillt, drei auf einmal, im Weggla, mit Senf. Das Bratwursthäusle am Rathausplatz 1 betreibt dieses Handwerk seit 1312, gleich hinter dem Hauptmarkt. Der Schutz umfasst Rezept und Größe, nicht nur den Namen, deshalb bedeutet das Wort hier etwas Bestimmtes.

Im Dezember übernimmt der Christkindlesmarkt den Hauptmarkt, vom Freitag vor dem ersten Advent bis Heiligabend. Das Christkind, alle zwei Jahre gewählt, eröffnet ihn mit einem Prolog von der Empore der Frauenkirche. Sonst ist der Platz ein Gemüsemarkt, im Sommer mit Tischen und dem Geruch von gebrannten Mandeln nur in der Erinnerung. An den Ständen gibt es Lebkuchen und Bratwürste, und das erste davon backt die Stadt seit Jahrhunderten.

Ein Tag lässt sich ohne viel Planung um das Bier bauen: nachmittags Rotbier im Altstadthof, um 17.30 Uhr die Kellerführung, abends dann Schanzenbräu auf dem Hügel oder der Tucher Mautkeller in der Mauthalle, einem Sandsteinbau von 1489. Dazwischen bleibt Zeit für die Burg und einen Teller Bratwürste. Mit nur einem Abend: im Altstadthof bleiben und danach im Dunkeln zur Burg hinaufgehen.