Der Markt und der Berg

Das Zentrum ist eine lange Straße und ein Platz. Am Marktplatz steht die Stiftskirche auf der einen, der Bier Adam auf der anderen Seite, der sich die älteste Bierwirtschaft im Berchtesgadener Land nennt. Der Bahnhof liegt zehn Minuten bergab; der ganze Ort ist zehn Minuten breit, und alles darin liegt am Hang. Nichts im Zentrum ist mehr als fünf Minuten vom Platz entfernt.

Über dem Ort steigt der Grund schnell an: Lockstein, Kälberstein, dann Jenner und Watzmann. Der Watzmann hat eine Mittelspitze von 2.713 Metern, seine Ostwand fällt fast 1.800 Meter in den Talboden — die höchste Wand der Ostalpen. Man muss nichts besteigen, um sie zu sehen; sie steht vom Marktplatz aus da. Vom Jenner auf der anderen Talseite ist die ganze Wand auf einmal zu sehen.

Der Sommer füllt das Tal mit Wanderern, die Busse zum See fahren alle halbe Stunde. Der Winter ist ruhiger: Der Weihnachtsmarkt steht vom ersten Adventssonntag bis Heiligabend auf dem Schlossplatz, und am 5. und 6. Dezember ziehen die Buttnmandl in Strohgewändern durch die Gassen, wofür man einen Abend umstellen sollte. Der Adventsmarkt ist klein, rund fünfzig Stände, und bleibt in den alten Gassen, statt sich auszubreiten.

Der See

Der Königssee ist 7,2 Kilometer lang und 190 Meter tief, zwischen Watzmann und Hagengebirge eingespannt. Er sieht aus wie ein Fjord, und geologisch ist er fast einer: eine Gletscherwanne mit Wasser, das zu den saubersten Deutschlands zählt. Die steilen Hänge lassen keinen Uferweg zu — der See ist die Straße, und war es immer. Der See friert nur in sehr kalten Wintern zu, etwa einmal pro Jahrzehnt, dann ruht die Schifffahrt.

Die Boote fahren elektrisch, seit Juli 1909. Achtzehn von ihnen pendeln vom Anleger in Schönau nach St. Bartholomä, und auf halber Strecke bläst der Bootsführer ein Flügelhorn gegen die Echowand; die Antwort kommt einmal zurück, manchmal zweimal. Private Boote und Tauchen sind nicht erlaubt, was zur Farbe des Wassers beiträgt. Bis 1998 waren die Rümpfe aus Holz, die letzten drei Boote wurden auf Stahl gebaut.

St. Bartholomä liegt auf einer Halbinsel unter der Ostwand, mit einer Wallfahrtskirche, die 1698 ihre Kuppel bekam. Vom Anleger steigt der Malerwinkelweg zum Aussichtspunkt, von dem jedes Foto gemacht wird. Die Boote fahren weiter nach Salet, von dort führt ein Weg zum Obersee; das letzte Boot zurück bestimmt den Tagesablauf. Der Ort ist seit dem 12. Jahrhundert Ziel von Wallfahrten, länger als die Kuppel steht.

Salz und der Rest des Tals

Salz wird hier seit dem 12. Jahrhundert abgebaut, die Mine ist heute ein Besucherbergwerk. Man fährt mit der Grubenbahn ein, rutscht zwei Bergmannsrutschen hinunter und überquert den unterirdischen Spiegelsee auf einem Floß. Unten sind es ganzjährig zwölf Grad, die Führung dauert eine Stunde, mit Umkleiden und Anstehen zwei Stunden. Der erste Stollen wurde 1517 vorgetrieben, die Gruben sind also älter als die Brauerei im Ort.

Die Rossfeldstraße zieht in Kehren aus dem Tal, die Jennerbahn fährt noch höher, der See unten, das Steinerne Meer am Horizont. Im Herbst färben sich die Wälder früher als der Talboden. Die Brennerei Grassl, die sich die älteste Enzianbrennerei Deutschlands nennt, liegt am Ortsrand und ist zu besichtigen. Ein beschilderter Rundgang führt durch die Brennerei und endet im Verkostungsraum, was die vernünftige Reihenfolge ist.

Das Tal hat fünf Gemeinden und ein Bier, eine einfachere Ordnung als in den meisten Bierregionen. Berchtesgaden, Schönau, Bischofswiesen, Ramsau und Marktschellenberg zapfen dieselbe Brauerei, die Hütten auf den Almen auch. Das macht das Bestellen leicht und die eine Brauerei interessant. Für zwei Tage reicht eine Brauerei vollkommen. Deshalb sehen die Bierkarten im Tal gleich aus, und niemand streitet darüber, welche Brauerei man trinkt.