Hinter dem Gasthof gebaut
Johann Liebhard übernahm 1876 den Hof und Gasthof der Familie, Zum Pfleger; das Anwesen war seit etwa 1810 in Familienbesitz. Der Gasthof hatte bereits das Schankrecht und eine Metzgerei, aber kein Sudhaus. 1877 begann er hinter dem Haus mit dem Bau, samt Mälzerei und Gärkellern, und schaffte die Geräte mit Pferd und Wagen vom Bahnhof Sauerlach heran, weil Aying keine eigene Bahn hatte.
Das erste Bier wurde am 2. Februar 1878 ausgeschenkt. Liebhard war Bauer, kein Brauer, also stellte er Johann Radler als Braumeister ein. Brauen war damals ein Winterberuf, von Michaeli am 29. September bis Georgi am 23. April, weil es keine Kühlung gab; im Rest des Jahres lag Eis aus den Weihern in den Kellern. Der Tagebucheintrag zum ersten Tag vermerkt zwei Gäste, die auf dem Heimweg zehnmal hinfielen.
1897 kaufte er den konkurrierenden Sixthof und war damit der einzige Bräu im Dorf. 1904 erreichte die Bahn Aying, was den Handel mit München möglich machte. August Zehentmair starb 1936, und seine Tochter Maria Kreszenz und ihr Mann Franz Inselkammer übernahmen; 1953 kaufte die Familie das Platzl in München, gegenüber dem Hofbräuhaus. Das heutige Sudhaus wurde 1999 eröffnet. Das Dorf hatte damit seinen einzigen Bräu.
Das Bier
Das Jahrhundertbier mit 5,5 Prozent wurde 1978 zum hundertjährigen Bestehen gebraut und blieb: ein helles Export, malzig und weich, mit einer Bitterkeit, die spät kommt und nicht bleibt. Es ist das erste Bier, das man hier bestellen sollte, weil es das Haus erklärt. Altbairisch Dunkel mit 5,0 Prozent ist der ältere Münchner Stil, dunkel, sauber und trocken, und das Bier, das am meisten nach Dorf schmeckt.
Celebrator mit 6,7 Prozent und 18,5 Grad Plato ist der Doppelbock: dunkel, reich, mit langem Malzabgang und genug Kraft, um ein Essen zu beenden. Kirtabier mit 5,8 Prozent erscheint im Herbst zur Kirchweih. Jubiläumsbier, ungefiltert mit 5,0, wird nach dem Jubiläumsrezept gebraut. Bräuweisse, Urweisse und Lager Hell decken den Alltag ab, und alles wird mit Wasser aus dem eigenen Brunnen der Brauerei gebraut, 176 Meter tief.
Die Brauerei ist für deutsche Verhältnisse klein, rund 90.000 Hektoliter im Jahr, und exportiert einen guten Teil davon. Das bestimmt den Ton: Das Bier wird sauber und gleichmäßig gebraut, nicht extrem, und das Sortiment ist keiner Mode gefolgt. Das Sudhaus von 1999 sollte dasselbe Bier zuverlässiger machen, kein anderes, was eine interessantere Entscheidung ist, als es klingt. Das Bier blieb, wie es war.
Das Dorf
Das Bräustüberl in der Münchener Straße 2 ist der alte Brauereigasthof: niedrige Stuben, ein Biergarten dahinter und eine Karte bayerischer Küche, die kein Stadtrestaurant sein will. Schweinsbraten, Knödel, Aufschnitt, Käse, ein Strudel. Die Stuben sind niedrig, das Licht kommt von der Straße; im Sommer ist der Garten der einzige vernünftige Platz. Der Brauereigasthof um die Ecke hat Zimmer, was der vernünftige Weg ist, dieses Dorf zu besuchen, ohne auf den letzten Zug zu achten.
Die S5 vom Marienplatz braucht etwa vierzig Minuten und fährt alle halbe Stunde; der Bahnhof liegt wenige Minuten vom Bräustüberl, und das Dorf ist in zehn Minuten durchquert. Es gibt eine Kirche, eine Brauerei und nicht viel dazwischen, und der Weg von einer zur anderen dauert kürzer als das Lesen der Karte. Der Sixthof, die konkurrierende Brauerei, die Liebhard 1897 kaufte, ist heute ein Heimatmuseum.
Die Bräukirta am zweiten Oktoberwochenende füllt das Dorf mit Bierzelt, Markt und Jahrmarkt und ist der eine Tag, an dem hier etwas los ist. Sonst an einem Wochentag fahren, die einzige Straße entlanggehen, in den Garten setzen und mit dem Nachmittagszug zurückfahren. Der Brauereiladen verkauft Flaschen und Kästen, billiger als sie aus München zu schleppen. Vorher die Öffnungszeiten des Ladens prüfen; das Dorf ist ruhig genug, dass sie zählen.