Das Dorf
Merkendorf gehört zu Memmelsdorf und liegt nordöstlich von Bamberg, nah genug, dass man zum Mittagessen hinfährt und am Nachmittag zurück. Das Dorf hat zwei Brauereien: Wagner an der Pointstraße und Hummel an der Lindenstraße, letztere auf einem Grundstück von 1556. Zwei Brauereien in einem Dorf dieser Größe sind in Franken nicht ungewöhnlich — aber die Konkurrenz hat keine von beiden vertrieben.
Die Gastwirtschaft ist ein Arbeitsraum: Gaststube, Theke, Tageskarte und dahinter die Brauerei. Nichts ist für Besucher inszeniert, und die Auszeichnungen des Hauses stehen auf der Website, nicht an der Wand. Die Familie führt den Betrieb seit 1919; heute führen Günther und Rainer Wagner das Unternehmen, und die Küche kocht noch nach einem Plan, der für das Dorf gemacht ist. Wer hier isst, sitzt zwischen Leuten, die seit Jahrzehnten kommen.
Das Sortiment, trocken gebraut
Das Kernbier ist ein Lagerbier Ungespunden, 12,7 % Stammwürze und 5,3 %, eine Spezialität, die es laut Brauerei nur in Bamberg und seinem Landkreis gibt: wenig Kohlensäure, fester Malzkörper, späte Hopfengabe. Es ist das erste Bier, das man bestellt, und das den Stil des Hauses zeigt — trocken, präzise und weniger weich als die Rauchbiere der Stadt. Es ist auch das Bier, das mittags die Stube füllt, bestellt von Leuten, die nie auf die Karte schauen.
Darum herum: ein Pils mit 12,1 % und 4,9 %, das meistverkaufte Bier des Hauses; ein Märzen mit 13,2 % und 5,4 %; ein Kupferstich Rotbier mit 12,1 % und 4,9 %, rot durch eine besondere Malzmischung; ein Festbier mit 13,5 % und 5,7 %; ein Kellerbier zum 850-jährigen Bestehen des Dorfes; und zwei Bockbiere mit 16,8 % und 7,5 %, eines hell, eines dunkel, ab Mitte November.
Der Sonderfall ist Richard Wagner Dunkel, ein dunkles Lager mit 13,2 % und 5,5 %, erstmals zum 75. Geburtstag des Seniorchefs gebraut und geblieben, weil das Dorf es nicht hergab. Auf dem Etikett steht der Name des Mannes, für den es gebraut wurde — eine sehr fränkische Art, ein Bier zu benennen: kein Stil, kein Adjektiv, nur der Mensch. Die Geschichte dazu erzählt die Brauerei nicht auf dem Etikett; sie bleibt im Haus.
Tisch und Garten
Die Küche ist fränkisch und ohne Anspruch: Braten mit Klößen von Mittwoch bis Sonntag, Brotzeiten den ganzen Tag, eine Tageskarte mit Leberkäse und Bratkartoffeln am Mittwoch und Fisch am Freitag. Sonntags gibt es Braten bis zwei Uhr, danach eine kleine Abendkarte. Die Portionen sind groß, die Preise sind Dorfpreise. Niemand kommt für ein Degustationsmenü; man kommt, weil das Bier gut ist und der Teller voll.
Hinter dem Haus liegt ein Biergarten unter Bäumen, abseits der Straße, mit Spielplatz daneben und Platz für Fahrräder. Zweimal im Jahr übernimmt das Dorf: Kirchweih am zweiten Sonntag nach Mariä Himmelfahrt im August und Bockbieranstich am Freitag vor dem Buß- und Bettag im November. Beide Termine veröffentlicht die Brauerei, und beide füllen den Garten. Im Winter bleibt er zu, dann sitzt man in der Stube.