Der Zwerg und das dunkle Bier

Der Zwerg steht auf jedem Etikett und rollt ein Fass, das größer ist als er. Das Bier, das nach ihm heißt, ist der Grund zu kommen: Zwergla ist ein dunkles Lager, fast mahagonifarben im Glas, 13,5 % Stammwürze und 6,0 %, weich und malzig, mit absichtlich leiser Hopfennote. Es schmeckt im zweiten Krug besser als im ersten — das gilt für die meisten dunklen Lager und ist gut zu wissen, bevor man ein kleines bestellt.

Fässla ist die Verkleinerung von Fass, Name und Wappen sagen also zweimal dasselbe. Die Bamberger erkennen das Bier am Zwerg, bevor sie das Wort lesen; das ist die Probe für ein gutes Wappen. Er trägt Grün und Rot, rollt ein braunes Fass und wirkt beschäftigt — was besser zu einer Brauerei passt als ein Wappen mit Löwen. Wer ihn einmal gesehen hat, findet die Flasche im Regal sofort.

Das Sortiment umfasst sechs Biere, und keines ist eine Neuheit. Ein Lager mit 5,5 %, ein Gold-Pils gleicher Stärke, ein Helles mit 5,4 %, ein flaschenvergorenes Weizen mit 5,0 %, das Zwergla mit 6,0 % und im Herbst der Bock. Für eine Brauerei mit vierzigtausend Hektolitern — die zweitgrößte Bambergs nach Kaiserdom — ist das eine kurze Liste. Keines davon will etwas anderes sein.

1649, ein Jahr nach dem Krieg

Gegründet wurde die Brauerei 1649, ein Jahr nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, von Hanß Lauer, Brauer und Büttner, im Eckhaus am Gang zum Heiligen Grab. Das Haus ist älter als die Brauerei: Es steht in den ältesten Zinsbüchern des Stifts St. Gangolf im vierzehnten Jahrhundert und wurde am St.-Veits-Tag 1398 an Conrad Kauffmann und seine Frau Kunigund gegen ein Pfund Geld enger Währung zu Lehen gegeben.

Viele Besitzer wechselten, bevor die Familie Kalb am 1. Oktober 1986 übernahm. Roland und Lukas Kalb führen den Betrieb heute, mit sechs Bieren im Sortiment und einer Küche, die fränkisch kocht, ohne etwas dazuzuerfinden. Oben im Haus gibt es Gästezimmer, der Bahnhof liegt fünf Gehminuten entfernt, die Altstadt zwei Straßen weiter — eines der wenigen Betten Bambergs direkt über dem Ausschank.

Bambergator

Jeden Herbst entsteht der Bambergator, ein Doppelbock mit 21 % Stammwürze und 8,5 %. Dunkelbraun, schwer und rund, und die Brauerei nennt ihn das stärkste Bier Bambergs — die Zahlen stützen den Satz. Gebraut wird er im September, angestochen beim Bockbieranstich im Oktober, und im Frühjahr ist er weg. Wer im Sommer danach fragt, bekommt ein bedauerndes Kopfschütteln. Der Bock ist das einzige Bier des Hauses, das nur ein paar Wochen bleibt.

Der Rest ist gewöhnlich im besten Sinn: ein Lager mit 5,5 %, ein Gold-Pils gleicher Stärke, ein Helles mit 5,4 %, ein flaschenvergorenes Weizen mit 5,0 %. Extrem ist nur der Bock. Das ist der Sinn eines Hauses wie diesem: Das Alltagsbier zahlt die Rechnungen, das starke ist das Ereignis des Jahres. Dazwischen liegt der eigentliche Charakter der Brauerei: ein dunkles Lager, das man den ganzen Abend trinken kann.